Reisebericht Sri Lanka

19.11.2018

Tsunami Mahnmale Peraliya und Umgebung

CTEC, Community Tsunami Education Center & Tsunami Museum
General Tsunami Photo Museum
Tsunami Photo Museum, Telwatta Junction
Tsunami Memorial Relief
Tsunami Honganji Viharaya

Wieder und wieder haben wir diesen Ausflug verschoben. Wir sind auch jetzt noch nicht sicher, ob wir dies wirklich machen wollen. Aber nachdem uns die Besitzer vom Hotel fast taeglich fragen, ob wir nun schon im Tsunami Photo Museum gewesen sind, haben wir uns entschlossen, dies Heute zu tun. Aber, wie gesagt, mit gemischten Gefuehlen.

Das Tsunami Photo Museum liegt zwischen Ambalangoda und Hikkaduwa an der Telwatta Junction. Dies ist nur etwa 5 km vom Apollo Hotel entfernt. Dies koennte man gut zu Fuss in Angriff nehmen. Aber wir nehmen trotzdem den Bus (jaaaa - wir geben es zu - wir sind tatsaechlich etwas faul geworden ....). Wir begeben uns zur Bushaltestelle, die wenige Meter von unserem Hotel entfernt liegt und halten den erstbesten Bus auf. Man kann jeden Bus nehmen, der mit Telwatta, Ambalangoda oder auch Colombo angeschrieben ist.

Wir steigen ein und bitten den Ticket-Boy, uns mitzuteilen, wann wir aussteigen muessen, um zum Tsunami Photo Museum zu gelangen. Die Fahrt mit dem lokalen Bus (Bild 1) dauert keine 10 Minuten und kostet Rs. 30 pro Person.

Bild 1

Bei der besagten Haltestelle verlassen wir den Bus und schauen uns suchend um.

CTEC, Community Tsunami Education Center & Tsunami Museum

Auf der anderen Strassenseite sehen wir das Museum schon (Bild 2). Wir treten ein und werden freundlich begruesst. Im vorderen Raum ist unter anderem gut dokumentiert, wie Erdbeben und Tsunamis entstehen, wie und wo die verschiedenen Platten sind etc. Zudem sind auch viele Foto's an den Waenden die "vorher/nachher" zeigen (wenn man dies so sagen kann). Ziemlich eindruecklich. Im zweiten Raum sind noch mehr Foto's von der Katastrophe aufgehaengt. Und da bekommt man auch ploetzlich ein Fetzen Papier unter die Nase gehalten: ein Eintritts-Ticket ueber Rs. 250 pro Person! Na dies finden wir aber ziemlich fies! Da lassen sie einem zuerst alles anschauen, geben auch diverse Erklaerungen ab und dann, quasi beim Verlassen des Museum's, zaubern sie ein Eintritts-Ticket hervor! Und dann noch ein solcher Preis! Dabei stand doch im Reisefuehrer, dass der Eintritt gratis sei, man aber eine Spende geben solle. Wenn man Eintritt verlangt, dann soll man dies gefaelligst gleich beim Betreten der Raeumlichkeiten kundtun, oder etwa nicht?

Erst beim Verlassen des Museums faellt uns auf, dass dies gar nicht das von uns gesuchte Tsunami Photo Museum ist, sondern das CTEC, Community Tsunami Education Center & Tsunami Museum (taeglich geoeffnet von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Adresse: 95th Km of Galle Road, Hikkaduwa 80240 - Eintritt Rs. 250 p.P. -  das Fotografieren im Inneren ist nicht gestattet).

Dies ist jetzt aber schon gemein vom Ticket-Boy. Wir haben ihm doch klar gesagt, wohin wir wollen. Und dann laesst er uns bei diesem Museum aussteigen (ob der wohl fuer jeden Besucher, den er "bringt", Bakshish bekommt?).

Leicht verwirrt schauen wir uns um.

General Tsunami Photo Museum

Ahaaaa! Da, ein paar Schritte weiter in Richtung Colombo sehen wir das Photo Museum (Bild 3). Dies muss es sein. Auch in diesem Museum werden wir nett begruesst. Vorsichtshalber erkundigen wir uns nach dem Eintrittspreis. Der Eintritt ist gratis. Hier scheinen wir richtig zu sein.

Auch hier treffen wir auf unzaehlige, furchterregende Bilder. Wir sind zur Zeit die einzigen Besucher. Daher laeuft der "Herr des Hauses" mit uns mit und gibt zu den einzelnen Bildern Erklaerungen ab. Er erzaehlt von den 12m hohen Wellen etc., etc. Die Bilder sind wirklich schrecklich. Da sieht man ueberall Leichen herumliegen. Die einen haengen in den Baeumen, bei anderen haengt der Oberkoerper aus dem Zugfenster heraus. Wiederum andere liegen verstreut auf dem Boden herum. Die Menschen sind bei der Katastrophe wie Blaetter in einem Sturm durch die Luft geflogen. Man sieht auch Foto's von aufgeblaehten Wasserleichen, komplett verbogenen Eisenbahnschienen u.v.m. Auch Bilder vom Zug, der kilometerweise ins Landesinnere katapultiert wurde, sind aufgehaengt. Vor einer Woche waren wir am Busbahnhof in Galle. Und nun sehen wir hier ein Foto vom Busbahnhof und vom Cricket-Stadion Galle, unmittelbar nach dem Tsunami vom 26.12.2004. Wir muessen ein paar Mal leer schlucken. Da koennen wir nur sagen: einfach wahnsinnig, so was! Nach der Besichtigung wird uns eine Tasse Tee angeboten. Wir lehnen dankend ab. Wir werfen ein Noetli in den dafuer vorgesehenen Spendentopf und verlassen das Museum.

(General Tsunami Photo Museum, No. 226, Galle Road, Peraliya, Telwatta, Sri Lanka, taeglich geoeffnet von 08:00 bis 18:30 Uhr, Eintritt frei, Spende erwuenscht).

Bild 2

Bild 3

Noch ganz benommen von diesen furchtbaren Bildern, laufen wir weiter in Richtung Colombo.

Tsunami Photo Museum, Telwatta

Wir ueberqueren die Strasse, die zum Bahnhof von Telwatta fuehrt und trauen unseren Augen nicht. Nanu, da ist ja rechts nochmals ein Tsunami Photo Museum (Bild 4)! Wieviele davon gibt es denn noch?! Nach einer Weile muessen wir feststellen: bei diesem handelt es sich effektiv um das Museum, das wir urspruenglich besichtigen wollten ... !!!  Grrrr ... Aeusserst aergerlich!

Doch mittlerweile haben wir genug von diesen alptraumhaften Bildern gesehen. In dieses Museum wollen wir definitiv nicht mehr hinein gehen (sorry ....). Unser "Bedarf" an Horror-Foto's ist mehr als gesaettigt.

(Tsunami Photo Museum, Telwatta Junction - Bushaltestelle direkt vor dem Haus, bei KM Stein 94, taeglich geoeffnet, Eintritt frei, Spende erwuenscht).

Bild 4


Fast dreiviertel der Kuesten von Sri Lanka wurden am 26.12.2004 vom Tsunami getroffen. Vieles wurde wieder aufgebaut. Doch man trifft auch Heute noch auf etliche Ruinen (Bild 5 bis Bild 10). Die Natur nimmt sich diesen an - gut zu sehen auf Bild 9.

Bild 5

Bild 6

Bild 7

 

Bild 8

Bild 9

Bild 10


Neben Elend und Zerstoerung hat die Katastrophe ein weiteres Problem heraufbeschworen: ueber eine Million Antipersonenminen aus dem Buergerkrieg wurden aus dem Boden herausgespuelt und querbeet verteilt.

In einem der Ruinen haben wir einen alten Mann angetroffen. Er scheint dort zu leben. Ist er ein Ueberlebender des Tsunami? War dies sein Haus? Ist er der letzte seiner Sippe? All diese Gedanken gehen uns durch den Kopf. Antworten bekommen wir jedoch keine.

Wir stehen neben dem Bahngleis und betrachten dieses nachdenklich (Bild 11). Es ist fuer uns schwer vorstellbar, dass solche Schienen beim Tsunami von den enormen Wassermassen komplett verbogen wurden. Die sind ja nicht aus Gummi. Und trotzdem war es so.

Bild 11

Tsunami Memorial Relief

Das fuerchterliche Ereignis fuehrte auch zum schlimmsten Zugsunglueck des Landes mit mehr als 1'700 Toten, als Teile des "Ocean Queen Express" (Samudradevi) - der Schnellzug von Colombo nach Matara, mit der Lok. Nr. 59 und seinen 8 Eisenbahnwagen - auf der Hoehe des Dorfes Peraliya von den Flutwellen aus den Schienen gehoben, wie Streichholzschachteln herumgeschleudert und schlussendlich weit ins Landesinnere katapultiert worden sind. Einige Wagons wurden gar ins Meer gespuelt. Man bedenke: 1 einzelner Wagon wiegt etwa 30, die Lokomotive etwa 80 Tonnen!

Das Dorf Peraliya wurde komplett zerstoert.

An diese schreckliche Zugstragoedie erinnert das Tsunami Memorial (Bild 12). Dieses befindet sich wenige Schritte vor dem CTEC, Community Tsunami Education Center & Tsunami Museum (von Hikkaduwa her kommend). Man betrachte das Bild Nr. 13 etwas genauer - solche Szenen moechte man nicht selbst erleben ...

Bild 12

Bild 13

Tsunami Honganji Viharaya

Wir laufen weiter in allgemeine Richtung Hikkaduwa und entdecken kurz nach dem "Sea Turtle Hatchery & Rescue Center" auf der linken Seite ein weiteres Tsunami Mahnmal, den Tsunami Honganji Viharaya. Die 18,5 m hohe Statue von Lord Buddha (Bild 14) wurde exakt 2 Jahre nach den zerstoererischen Wellen, also am 26.12.2006, eingeweiht. Sie ist eine Reproduktion der beruehmten Buddha-Statuen von Bamiyan (Afghanistan), welche im Maerz 2001 durch die Taliban zerstoert wurden.

Bild 14


Wir lassen dieses schreckliche Ereignis nun hinter uns und begeben uns zur Busstation, welche sich ein paar Meter in Richtung Hikkaduwa befindet. Auch hier halten wir den erstbesten Bus auf und steigen ein. Die Rueckfahrt zum Apollo Hotel kostet uns Rs.15 pro Person und dauert nur ein paar Minuten.

Es ist ein sehr eindrueckliches Erlebnis gewesen, all diese Berichte und Foto's zu sehen. Ja, auch an den Schauplaetzen zu stehen, wo all dies stattgefunden hat. Hut ab vor den Leuten, die diese Kathastrophe miterleben mussten und trotzdem den Weg zurueck in den "normalen" Alltag gefunden haben.

 

 

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