Reisebericht Sri Lanka

09.11.2018

Bentota

Galapatha Raja Maha Vihara
Bentota Dalada Perahera

 

Das Fruehstueck ist gut und reichhaltig. Wir sind pappsatt. Dies ist eine gute Grundlage fuer unser heutiges Vorhaben. Wir moechten zum 3,4 km entfernten Tempel Galapatha Raja Maha Vihara laufen.

Um 10:15 Uhr ist Abmarsch. Wir gehen vor zur Hautpstrasse (Galle Road), ueberqueren diese und biegen dann links in die Old Galle Road ab. Dieser folgen wir bis sie auf die Elpitiya Road trifft. Dort geht es dann rechts weiter.

In aller Ruhe setzen wir einen Fuss vor den anderen. Vorbei an idyllisch gelegenen Haeuschen (Bild 1). Es ist nicht viel los auf unserem Weg. Ab und zu ueberholt uns ein Velofahrer (Bild 2), mal kommt ein Auto oder ein Lastwagen vorbei. Vereinzelt treffen wir auf ein paar andere Fussgaenger. Verhungern muessen wir aber nicht auf unserem Ausflug. Fuer Proviant unterwegs ist gesorgt (Bild 3).

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Wir sind bereits seit etwa 30 Minuten unterwegs. Nun macht die Elpitiya Road eine mehr oder weniger scharfe Rechtskurve. Dort verlassen wir diese Strasse und laufen geradeaus weiter (Bentota Circular Road). Wenn man ganz genau hinschaut, so entdeckt man auf der rechten Seite eine weisse Tafel mit der Aufschrift "Galapatha Raja Maha Vihara". Sie ist gut versteckt.

15 Minuten spaeter kommen wir an eine T-Kreuzung. Eine gut sichtbare Tafel informiert uns, dass wir rechts abbiegen muessen.

Und schon haben wir unser Ziel erreicht.

Galapatha Raja Maha Vihara

Der Galapatha Raja Maha Vihara ist ein sehr bedeutender Tempel, der auf die Zeit von Sri Lanka’s beruehmtesten Koenig, King Dutugemunu, auch Duttha Gamini oder Duttagamai, zurueckgeht. Waehrend der Regierungszeit von Dutugemunu (161 bis 137 vor Christus) war die Insel zum ersten Mal unter einem Herrscher vereint.

Sein Bruder, Koenig Saddha Tissa (137 bis 119 vor Christus), liess diesen Tempel bauen und uebergab ihn dem Maha Sangha. Der damalige Name des Tempels war Galaturumula. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie an diesem Ort viele Arahanten niedergelassen.

Viele, viele Jahre spaeter:
Als Koenig Parakramabahu II (1234 bis 1269 nach Christus) erfahren hatte, dass sich im Tempel Galapatha Raja Maha Vihara eine Zahnreliquie von Arahant Maha Kassapa Thera befindet, hat er den Tempel besucht. Er veranstaltete ein riesiges Fest, bei dem das Relikt 3 Tage lang verehrt wurde. Er war es auch, der die Zahnreliquie in einer Stupa einmauern liess, um sie so vor moeglichen auslaendischen Invasionen zu schuetzen (die zu dieser Zeit haeufig waren).

Wer ist aber dieser Arahant Maha Kassapa Thera (Arhat Maha Kashyapa), dessen Zahnreliquie so hoch verehrt wird? Er gilt als ein hoechst respektierter und verehrter Schueler des Buddha-Lords. Nur mit Arahant Maha Kassapa hat Lord Buddha seine Gewaender getauscht, was die hohe Wertschaetzung zeigt, die Lord Buddha gegenueber Maha Kassapa Thera hatte.

Sein frueherer Name war Pipphali Kassapa. Er wurde in Mahatittha von Maghada als Sohn einer sehr reichen Brahmanenfamilie geboren. Um seinen Eltern zu gefallen, heiratete er Bhadda Kapilani von Sagala. Und seine Frau heiratete ihn, um ihren Eltern zu gefallen. Im gegenseitigen Einverstaendnis vereinbarten die beiden, einen Brahmachari zu leiten oder Zoelibat zu sein. So lebten sie fast zwoelf Jahre lang, bis beide beschlossen, auf das weltliche Leben zu verzichten, um die Wahrheit zu suchen, indem sie Asketen wurden. Spaeter, als die Bhikkuni-Ordination im buddhistischen Orden gegruendet wurde, wurde Maha Kassapa Thera auch ein Arahanti.

Der Zahn (ein Eckzahn – „Dantha Dhatu“) von Arahant Maha Kassapa Thera, der sich im Galapatha Raja Maha Vihara befindet, ist zu seinen Lebzeiten ausgefallen. Der damalige Maha Sangha hat den Zahn wie einen Schatz gehegt und gepflegt. Waehrend der Aera Anuradhapura wurde der Eckzahn dann nach Sri Lanka gebracht. Aufgrund der Invasion durch feindliche Streitkraefte brachte man ihn in den heutigen Tempel. Dieser ist ein wichtiges Pilgerziel.

Genug Geschichte. Jetzt wollen wir vom Tempel etwas sehen. Also auf geht's.

Wir schlendern am Seerosen-Teich vorbei (Bild 4). Dabei passieren wir diesen Schrein (Bild 5).

Bild 4

Bild 5


Der Weg, der zum Tempel und der Stupa-Terrasse fuehrt (Bild 6), war frueher von Steinsaeulen flankiert gewesen. Am Anfang der Steintreppe befinden sich links und rechts noch je zwei solcher alten Saeulen. Wenn die reden koennten. Was wuerden die uns wohl alles zu erzaehlen haben?

Rechts von der Treppe sehen wir eine alte, dekorative Tueroeffnung mit zwei aufrechten monolithischen Saeulen auf beiden Seiten sowie zwei weiteren oben und unten. Die Saeulen sind mit kunstvollen Nari Latha Motiven versehen (die Tueroffnung ist rechts hinten auf Bild 6 noch schwach zu sehen). Davor befindet sich eine Zisterne.

Ab hier muessen wir barfuss weiterlaufen.

In dieser Stupa ist das Zahnrelikt vom hochverehrten Arahant Maha Kassapa Thera (Bild 7).

Bentota Dalada Perahera

Um diese Reliquie findet jedes Jahr ein einwoechiges Fest statt. Zur Unduwap-Poya (Vollmond im November/Dezember) begeht die Stadt das farbenpraechtige Bentota Dalada Perahera, zu der sich neben Tausenden von Glaeubigen auch viele schaulustige Touristen einfinden.

Hinter der Stupa kann man diese wunderbaren Figuren bewundern (Bild 8).

Bild 6

Bild 7

Bild 8


Wenn man die Tempelanlage ueber die alte Steintreppe betritt und dann geradeaus weiterlaeuft, so trifft man direkt auf den Haupttempel (Bild 9). Die Stufen, die zu seinem Eingang fuehren, sind aus Mondstein. Auf dem Giebel erkennt man wunderbar die Figuren von zwei Elefanten und zwei Loewen.

Bild 9


In seinem Inneren befindet sich unter anderen Buddha Bildnissen ein liegender Buddha (Bild 10). Daneben kann man prunkvolle Wand- und Deckenmalereien (Bild 11) sowie verschiedene Skulpturen (Bild 12) bewundern.

Bild 10

Bild 11

Bild 12


Das naechste Bildnishaus muss sich ebenfalls nicht verstecken. Auch hier erkennt man verschiedene, gut geformte Figuren (Bild 13). Links und rechts davor stehen zwei schlichte Waechtersteine. Diese kennzeichnen den Uebergang zum Heiligen Bereich.

Bild 13


Unmittelbar nach dem Eintreten trifft man auf diese farbenfrohe Szenerie (Bild 14). Auch hier drinnen ist ein liegender Buddha (Bild 15).

Bild 14

Bild 15


Viele der Buddha-Figuren, die sich in diesem Tempel befinden, sind hinter einem Vorhang "versteckt". So auch dieser stehende Buddha (Bild 16).

Szenen aus dem Hinduismus duerfen auch hier nicht fehlen (Bild 17).

Die Farben sind leuchtend und kraeftig (Bild 18).

Bild 16

Bild 17

Bild 18


Weitere Buddha Statuen (Bild 19).

Bild 19


Wir treten wieder raus ins Sonnenlicht. Was wir gesehen haben, hat uns sehr gut gefallen.

Auf der gleichen Ebene wie der Stupa und die beiden Bildnishaeuschen haengt auch eine Glocke (Bild 20).

Bild 20

 

 


Beim Verlassen der Tempelanlage werden wir von 2 aelteren Weiblein angesprochen. Sie moechten Gaby unbedingt eine Kette schenken. Dies lehnen wir aber entschieden ab. Nach gefuehlten tausend Mal "no thank you" haben wir die Kette dann doch angenommen und mit den beiden Frauen ein Foto geschossen (Bild 21). Und da hat es dann auch schon angefangen. Sie haetten kein Geld etc. etc. Ein riesen Gejammere. Irgendwie schaffen wir es, die Kette zurueckzugeben und wegzugehen.

Die beiden Damen folgen uns ganz gemaechlich und biegen nach kurzer Zeit in eine Hauseinfahrt ab. Und ploetzlich schiesst aus der gleichen Einfahrt wie aus dem Nichts ein bissiger Hund. Der hat uns richtiggehend attakiert. Zum Glueck bekommt Hampi einen Stecken zu fassen und kann den wuetenden Hund abwehren. Ansonsten haette er uns gebissen. Haben diese beiden Hexen doch tatsaechlich ihren scharfen Hund auf uns gehetzt. Also dies haben wir wirklich noch nie erlebt. Tz, tz. Sachen gibt es!

Leicht geschockt laufen wir weiter. Bei einer Treppe hocken wir uns hin und verspeisen unser Mittagessen: Fruechte und Wasser.

Bild 21

Bild 22


Trotz des unerfreulichen Ausgangs des Tempelbesuches ist es doch ein schoener Tag gewesen. Der Galapatha Raja Maha Vihara ist sicherlich ein Besuch wert. Wir haben etwa 30 Minuten dort verbracht.

 

 

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