Reisebericht Indien

15.01.2017

Geldsorgen - das leide und zentrale Thema unserer Ferien
Calangute / Goa

 

30.11.2016

Obwohl wir sparsam lebten, mussten wir uns heute (30.11.2016) bereits wieder aufmachen, um Geld zu wechseln.

Da wir absolut keine Lust verspuehrten, stundenlang in der Hitze vor einer Bank anzustehen, beschlossen wir, erneut zu "unserer" Bank nach Mapusa zu fahren. Wir freuten uns diebisch, als wir an all den Menschenschlangen vor den Banken vorbeifuhren.

Doch unserer Freude waehrte nur kurz. Nein, nein. Es gab keine Warteschlangen vor "unserer" Bank. Diesbezueglich ging unsere Rechnung auf. Aber wir wollten eine 200er Note (CHF) in einheimisches Geld wechseln. Dies entspricht ungefaehr INR 13'000. Doch seit dem 25.11.2016 war bezueglich Geldwechseln ein neues Gesetz in Kraft. Seit diesem Datum duerfen auslaendische Touristen nur noch den Gegenwert von INR 5'000 pro Woche und Kopf umtauschen. Dies sind grade mal CHF 76! Da wir leider nur 2 Koepfe haben, haetten wir heute nur CHF 152 wechseln koennen und nicht, wie vorgehabt, CHF 200. Doch wie macht man aus einer 200er Note eine 152er Note?

Hhhm. Dies stellte sich als echte Herausforderung dar. Wir brauchten mehr als 2 Stunden -und viele Schweisstropfen unsererseits- bis dieses Problem geloest war. Uns kam es wie eine Ewigkeit vor, doch fuer indische Verhaeltnisse war dies eine rekordverdaechtige Zeit. Die Mitarbeiter der Bank kannten uns (gluecklicherweise) noch vom letzten Mal, als wir bei Ihnen Geld gewechselt hatten, und waren wirklich sehr hilfsbereit und kreativ. Die Bankangestellten hatten sich dabei selbst uebertroffen. Die hatten doch tatsaechlich . . . psst - dies duerfte man gar nicht laut sagen, geschweige denn niederschreiben. Die hatten uns tatsaechlich je eine Quittung ausgestellt fuer den Umtausch von CHF 76 und fuer die restlichen CHF 48 erstellten sie einfach eine Pseudo-Quittung  auf den Namen XY (diese Quittung gaben sie uns natuerlich nicht mit). Was sollte man dazu noch sagen?! Dies bei einer offiziellen Bank! Wir waren natuerlich mehr als happy und hinterfragten absolut nichts! Wir nahmen die Kohle in Empfang und fuhren danach schnellstens nach Hause. Als ob der Teufel hinter uns her waere ....

Doch damit waren unsere Probleme leider noch lange nicht geloest. Nun hatten wir zwar wieder Geld, aber darunter befanden sich sechs 2000er Noten. Und diese konnte man ja, wie bereits frueher erwaehnt, nur schwer ausgeben, da nach wie vor niemand Wechselgeld hatte (die naechst kleinere indische Note ist die 100er Note). Aber was uns viel mehr zu schaffen machte, war die Tatsache, dass wir an Schweizer Noten nur drei 100er, eine 50er, zwei 20er und eine 10er und sonst nur alles 200er Noten mit uns hatten. Und ein weiteres Mal wuerden die Mitarbeiter "unserer" Bank nicht nochmals so ein Ding drehen koennen. Somit mussten wir es irgendwie schaffen, dass wir unsere Schweizer 200er Noten in kleinere Noten umtauschen konnten. Wie wir dies jedoch bewerkstelligen sollten, war uns zu diesem Zeitpuntk noch voellig schleierhaft. Aber wie sagt man so schoen: kommt Zeit, kommt Rat!

Von Woche zu Woche versicherte die indische Regierung immer wieder, dass es ab naechster Woche besser werden wuerde! Aber so richtig glauben konnten wir diese Aussagen nicht mehr. Denn wie sollte es auch besser werden, wenn mit der Ungueltigkeits-Erklaerung der 500er und der 1000er Noten 86% des Cashflows aus dem Verkehr gezogen wurde und in Indien etwa 90% der Transaktionen nach wie vor in Cash abgewickelt werden . . Und, soweit wir feststellen konnten, wurden von den Banken nach diesem Geniestreich der Regierung nicht mehr Kleingeld in Umlauf gesetzt  - so wunderte es uns auch nicht, dass das Geld auch bei den Geldinstituten knapp wurde  . . .

Wir waren gespannt, wie unser naechster Geld-Wechsel vor sich gehen wuerde. Dies wird in 1 Woche der Fall sein.

08.12.2016

Am 08.12.2016 war die Woche um und wir durften wieder Geld wechseln gehen. Offiziell hiess es zwar, dass man pro Woche INR 5'000 wechseln darf, aber effektiv musste man 8 Tage warten. Wenn man am Mittwoch gewechselt hat, so darf man erst wieder am naechsten Donnerstag wechseln, die Woche drauf dann am Freitag und so weiter und so fort. Dies hatten wir gluecklicherweise letztes Mal mitbekommen, denn sonst waeren wir bereits gestern zur Bank gefahren.

Auch heute hatten wir Glueck. Obwohl es auch 1 Monat nach der Ausserkraftsetzung der 500er und 1000er Note noch immer vor jeder Bank und vor jedem ATM sehr lange Menschenschlangen hatte, war davon bei "unserer" Bank nichts zu sehen. Weder draussen (Bild 1), noch drinnen (Bild 2).

Bild 1

Bild 2

Wir waren gespannt. Was hatte sich die indische Regierung in der Zwischenzeit einfallen lassen, um die Leute zu aergern? Gab es schon wieder ein neues Gesetz? Gluecklicherweise nicht. Es war noch alles beim Alten. Nach wie vor durfte man pro Kopf und Woche 5'000 Rupien wechseln. Wir tauschten unsere CHF 150 in indische Rupien um und verabschiedeten uns von den anderen Touristen in der Bank mit "see you in 1 week". Immerhin hatten wir unseren Humor noch nicht verloren. Wir fuhren nach Calangute zurueck und ueberlegten uns schon auf dem Nachhauseweg, wie man die erhaltenen 2000er Noten "klein" machen konnte. Gruebel, gruebel...

16.12.2016

Wieder war eine Woche vorbei. Bezueglich Geldwechseln hatte sich nichts geaendert. Langsam aber sicher hatten wir dieses Affentheater gruendlich satt. Die Regierung behauptete zwar noch immer seelenruhig, dass "naechste Woche alles besser werden wuerde", aber nach wie vor durfte man als Tourist nur INR 5'000 pro Kopf und Woche wechseln und nach wie vor gab es kein Wechselgeld. Wir lebten zwar sparsam, aber ein bisschen mehr Geld zur Verfuegung haben, waere schon toll gewesen.

So machten wir uns erneut auf zu "unserer" Bank. Im Vorfeld hatten wir uns eine super Strategie zurechtgelegt, wie wir bereits beim Geldwechseln an kleinere Noten kommen wuerden. Dieses Mal wollten wir nur CHF 120 und nicht CHF 150 umtauschen. Da das Ganze ueber zwei Paesse, bzw. 2 Koepfe, abgerechnet werden musste, haette jeder von uns 3'713 Rupien bekommen sollen. Dies waere fuer jeden nur eine 2000er Note und siebzehn 100er Noten gewesen. Aber eben, waere. Das Ganze war klug gedacht von uns, ging aber nicht auf. Die Dame am Kassenschalter hatte uns richtiggehend angefleht -beinahe schon auf Knien-, dass wir ihr erlauben wuerden, die beiden Auszahlungs-Betraege zusammenrechnen. Auch sie hatte fast kein Kleingeld mehr (zur Erinnerung: wir befanden uns in einer BANK). Eigentlich wollten wir dies nicht, aber dann hatten wir doch zugestimmt. Schliesslich war uns die Bank auch einmal sehr, sehr entgegengekommen. Also besassen wir wieder drei 2000er Noten, von denen wir noch keine Ahnung hatten, wie wir diese "kleinkriegen" sollten. Wir fuhren zurueck nach Hause.

Aus lauter Bloedsinn machten wir in Calangute einen Abstecher in eine Filiale der Western Union. Diese hatten nun auch wieder offen. Wir erkundigten uns nach dem Kurs des Schweizer Frankens und auch, ob es irgend eine Betragslimite beim Geldwechseln geben wuerde. Der Angestellte meinte, nein, es gaebe keine Limite. Unser Puls raste. Wir konnten hier unsere CHF 200er Note umtauschen!! Dann oeffnete er seinen Kassenschrank - sprich, seine Pultschublade - kramte darin herum, zog etwa drei 2000er und ein paar kleinere Noten heraus und meinte trocken: hmm, heute gaebe es schon eine Limite zum Wechseln, er haette fast kein Bargeld mehr. Wir sollten doch am Sonntag Vormittag nochmals kommen, dann haette er wieder Fluessiges. Nun gut, wir wuerden sehen. Die Inder erzaehlen einem vieles, wenn der Tag lang ist ..... 

18.12.2016

Unser erster Weg am Sonntag fuehrte uns zur besagten Western Union Agentur. Wir waren gespannt wie ein Regenschirm. Und tatsaechlich: wir konnten unsere CHF 200er Note problemlos in indische Rupien umtauschen (ca. INR 13'000). Ohne Quittung, aber zu einem guten Kurs und ohne Gebuehren! Beinahe haetten wir einen Freudentanz aufgefuehrt! Wir waren so happy. Ab sofort mussten wir nicht mehr jeden einzelnen Rups zweimal umdrehen, bevor wir ihn ausgeben wuerden. Allerdings existierte das Problem mit den 2000er Noten nach wie vor.

22.12.2016

Hurra, hurra. ENDLICH waren sie daaaaaaaaa!
Keine Angst, wir waren weder verrueckt geworden (zumindest bis dahin nicht), noch wurden wir Eltern von Zwillingen. Heute hatten wir zum ersten Mal eine neue 500er Note in die Haende bekommen (Bild 3 bis Bild 4).

Bild 3

Bild 4

Wenn dies kein Grund zum Feiern war! Nun war der Freudentanz schon beinahe Pflicht (wir verzichteten aber trotzdem darauf). Diese Banknote wird uns - und natuerlich all den anderen Touristen sowie den Einheimischen - das Leben hier um Einiges erleichtern. Jetzt sollte man das wenige Geld, das man umtauschen kann, zumindest problemlos ausgeben koennen. So hofften wir wenigstens.

15.01.2017

Nun haben wir bereits den 15.01.2017 und die Geldprobleme sind noch immer da. Die neuen 500er Noten sind nur sehr spaerlich im Umlauf. Man sieht sie fast nicht. Eine wirkliche Erleichterung, so wie wir am 22.12.2016 gehofft hatten, ist nicht eingetreten. Nach wie vor duerfen wir nur INR 5'000 pro Kopf und Woche umtauschen, nach wie vor existieren die Warteschlangen vor den Banken und den ATM's (nicht mehr so lange wie am Anfang, aber fuer uns noch lange genug), nach wie vor spuckt der ATM pro Tag nur INR 2'000 aus (natuerlich in einer einzigen Note - wir haben nur von ganz wenigen Leuten gehoert, die mit ihrer Karte INR 4'500 pro Tag beziehen konnten), und nach wie vor gibt es kein Wechselgeld.

Jemand hat uns heute erzaehlt, dass man ab dem 18.01.2017 am ATM pro Tag immerhin wieder INR 10'000 beziehen kann. Dies entspricht etwa CHF 148. Aber ob man dies glauben darf?!?!?

In 2 Tagen wird unser Aufenthalt hier in Calangute/Goa zu Ende sein. Bei unserer Ankunft am 01.11.2016 haetten wir es niemals fuer moeglich gehalten, dass wir waehrend diesen Ferien so massiv mit Geldproblemen zu kaempfen haben wuerden. Dies war absolut nicht schoen und hat uns zuweilen die Stimmung schon etwas vermiest. Und der absolute Clou ist, dass wenn man heute durch Calangute's Strassen laeuft, all die Schwarzwechsler nach wie vor da sind - ihre Wechselstuben sind wie eh und jeh gut sichtbar angeschrieben ...!!! Und, was auch kaum zu glauben ist, aus dem ATM-Automaten bekommt man bereits FALSCHE 2000er Noten....


Nachstehend ein paar Szenen aus der Vergangenheit, die wir entweder selber mitbekommen haben oder von Dritten gehoert haben: 

Selber mitbekommen:

- Eine Inderin kann ihr Busticket von Calangute nach Mumbai nicht bezahlen, da sie nur 2000er Noten hat und die Noten nicht in Kleingeld wechseln kann (auch bei der Bank nicht!) ... Das Busunternehmen hatte ihre 2000er Note nicht akzeptiert, da es kein Wechselgeld hat.

- Eine Inderin (nicht die gleiche Person wie oben), welche in Calangute in den Ferien ist und in Mumbai wohnt, bezieht mit ihrer Karte Geld, bekommt aber nur INR 2'000. Sie benoetigt jedoch mehr Geld und moechte am Bankschalter nochmal etwas beziehen. Dort kann sie jedoch kein Geld beziehen - dies muesse sie in Mumbai tun ...

- Zwei Inder wollen in einem Restaurant zu Abend essen, muessen aber ohne zu Essen wieder gehen, da das Restaurant keine 2000er Noten akzeptiert, mangels Wechselgeld (zum Glueck haben die beiden gefragt, bevor sie ihre Bestellung aufgegeben haben).

- Ein Tourist steht fast eine Stunde lang in der Hitze vor einem ATM Automaten an - und als er endlich an der Reihe ist, spuckt der Automat kein Geld mehr aus: er ist leer ...

- Eine Touristin moechte auf dem Markt Gemuese kaufen, kann dies aber nicht tun, da sie nur eine 2000er Note hat und die Marktfrau kein Wechselgeld ...

- Wir selber kaufen in einem modernen Supermarkt in Candolim fuer INR 892 ein. Der Supermarkt akzeptiert die 2000er Note nicht, da er kein Wechselgeld hat ... - wir mussten unsere Einkaeufe zuruecklassen.

- Etwa 2 1/2 Wochen spaeter im gleichen Supermarkt: da wir nur wenige kleine CHF-Noten zum Geldwechseln mit uns in die Ferien genommen haben, taetigten wir einen Grosseinkauf im Betrage von INR 1'777 und wollten mit der VISA Karte bezahlen: doch der Kartenleser war defekt ... Die Dame an der Kasse wollte BARGELD haben ... Zum  Glueck hat der Kartenleser von einer anderen Kasse funktioniert (dies hat man uns aber erst gesagt, als wir -entgegen unserer Gewohnheit- ziemlich laut geworden sind - so haben wir dieses Mal die Einkaeufe nicht zuruecklassen muessen. Aber der Supermarkt schlaegt 5,75% (!!!) auf den Kaufpreis drauf wenn man mit Karte bezahlt (und zwar so, dass man es zu Hause dem Kreditkarteninstitut nicht beweisen kann und nichts zurueckfordern kann). Eine absolute Schweinerei!!! Dazu kommt noch der Zuschlag von 1,5% in der Schweiz.

Von Dritten gehoert:

- Die Bauern koennen die Loehne ihrer Arbeiter nicht mehr bezahlen (die Auszahlung erfolgt taeglich). Manche bezahlen nun mit Reis, manche gar nicht.

- Eine Inderin hat am ATM Geld bezogen und eine neue 2000er Note bekommen - als sie sie ausgeben wollte, wurde diese sogleich konfisziert: es handelte sich um eine gefaelschte Note ... Daraufhin ist sie zur Bank gegangen, konnte aber nichts machen, das Geld war futsch .... Sie bekam keine andere Note.

- Wir haben von einigen Faellen gehoert, wo die Leute vor der Bank beim langen Anstehen in der Hitze zusammengebrochen und gestorben sind.

Und und und.

In den 2 1/2 Monaten hoerte man rund um's Geld die verschiedensten Geschichten. In keiner unserer Ferien hat uns das Geld so auf Trab gehalten, wie dieses Mal. Nun, in 2 Tagen reisen wir nach Thailand - dort wird dann diesbezueglich endlich alles besser werden ...!!!

Bild 5
aufgenommen am 16.01.2017 !!!!
die Warteschlangen vor den Banken/ATM's werden wieder laenger ....

 

 

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