Reisebericht Philippinen

22.12.2013 Teil 4

Sagada

Die haengenden Saerge von Sagada - Echo Valley
Sangachil Chair (Totenstuhl)

 

Die haengenden Saerge von Sagada - Echo Valley

Nun wollten wir weiter zu den haengenden Saergen im Echo Valley. Wir liefen rechts an der Kirche vorbei und kamen ueber ein paar Stufen auf einen Waldweg (Bild 26). Dieser fuehrte uns direkt zum Friedhof von Sagada. Nun nochmals ein paar Stufen rauf (Bild 27) und schon befanden wir uns mitten im Friedhof. Die Menschen, die hier begraben wurden, wurden nicht etwa unter der Erde begraben. Nein, nein. Auch heute noch wollen die Menschen auf keinen Fall unter der Erde begraben sein. Saemtliche Graeber sind oberirdisch angelegt (gut zu sehen auf Bild 28).

Wir folgten dem kleinen Feldweg, der sich durch den Friedhof hindurch schlaengelt (Bild 28).

Bild 26

Bild 27

Bild 28


Dieser fuehrte uns nach etwa 5 Minuten zu einer Art Aussichtspunkt. Der Weg ging nicht mehr weiter bzw. er war abgesperrt. Von diesem Punkt aus konnte man auf der gegenueberliegenden Felswand haengende Saerge sehen (Bild 29).

Bild 29


Natuerlich gaben wir uns nicht damit zufrieden, dass wir diese Saerge nur von weitem sehen konnten. Ist ja logisch, dass wir einen Blick aus der Naehe darauf werfen wollten. Die Frage war nur: wie kam man dorthin? Nach kurzer Suche entdeckten wir einen Pfad durch das Dickicht, der runter in's Tal zu fuehren schien. Aha, das musste der Weg sein. Also nichts wie los.

Der Abstieg war ziemlich steil (Bild 30 bis Bild 31).

Bild 30

Bild 31


Zum Glueck hatte es gestern nur leicht geregnet. Ansonsten waere dies eine ziemliche Rutschpartie geworden. Wir folgten dem einigermassen gut zu erkennenden Pfad. Ein- oder zweimal mussten wir wieder umkehren, da wir bei einem falschen Pfad abbogen. Etwa 15 Minuten, nachdem wir die Kirche von Sagada hinter uns gelassen hatten, standen wir unterhalb der haengenden Saerge (Bild 32 bis Bild 33).

In luftiger Hoehe haengen die Saerge an der Felswand. Na ja. Sie haengen ja nicht wirklich. Trotzdem fragt man sich unwillkuerlich, wie um Himmels willen diese dort angebracht wurden.

Sangachil Chair (Totenstuhl)

Was hat ein Stuhl bei einem der Saerge zu suchen (Bild 34)? Nun, wenn ein Angehoeriger verstorben ist, werden alle Verwandten und Freunde benachrichtigt. Zunaechst beginnt eine Totenwache, bis alle Verwandten aus der Umgebung eingetroffen sind. Waehrend der Totenwache wird der Verstorbene auf einen sogenannten Totenstuhl, den Sangachil Chair, gesetzt, bzw. festgebunden. Dabei wird der Stuhl so hingestellt, dass der Tote in Richtung Haupteingang des Hauses "schaut". Die Verwandten, Freunde und Gaeste des Hauses bringen Essen, Geld, singen und reden mit dem Toten, als ob er noch leben wuerde. Auch Tiere werden geopfert. Die Zeremonie dauert ein bis fuenf Tage, je nach Alter, Reichtum und Todesursache des Verstorbenen. Danach wird der Leichnam in hockender Position in ein Tuch eingehuellt (wie vor der Geburt im Mutterleib) und zur Grabstaette getragen. In dieser Position wird er dann auch in den Holzsarg gelegt. Dies erklaert, warum die Saerge relativ klein sind. Erfolgt die Beisetzung an einer Felswand, wird oft auch noch der Totenstuhl nebem dem Sarg aufgehaengt (Bild 34).

Bild 32

Bild 33

Bild 34


Einige der Saerge sind bereits tausend Jahre alt. Im Jahre 2005 wurde diese Art der Bestattung noch praktiziert. Offiziell gibt es dies heute nicht mehr, doch hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass einige Leute auch heutzutage noch so bestattet werden.

Wahrlich sehr beeindruckend. Nachdem wir genug gesehen hatten, machten wir uns auf den Rueckweg. Alles bergauf. Aber da es ja nicht rutschig war, verlief auch der Rueckweg problemlos. Fuer heute hatten wir alles abgeklappert, was wir sehen wollten. Also liefen wir zum Hotel zurueck.

Mit dem Wetter hatten wir heute grosses Glueck. Kein einziger Regentropfen ist waehrend unseres Ausflugs gefallen! Haetten wir unsere "Tour de Sagada" gestern unternommen, so waeren wir einige Male verregnet worden.

 

 

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