Reisebericht Indien

23.11.2011 Teil 6

Old Goa; Alt-Goa

Basilika Bom Jesus
St. Francis Xavier
Kapelle Our Lady of the Mount

 

Wir laufen wieder zurueck ins Zentrum von Old Goa.

Basilika Bom Jesus

Das wohl bedeutendste Gotteshaus Old Goa's ist die Basilika Bom Jesus (Bild 65). Mit dem Bau wurde im Jahr 1594 begonnen, fertiggestellt wurde sie 1605. Der Grundriss der Kirche ist kreuzfoermig. Sie hat eine dreistoeckige Fassade. Der Haupteingang wird von zwei kleineren Eingaengen flankiert. Zuoberst an der Fassade findet man die Buchstaben "IHS" (Bild 66). Diese symbolisieren die ersten drei Buchstaben des Namens "Jesus" in griechischer Sprache. Die Kirche ist Jesus geweiht. Im Portugiesischen bedeuted "Bom Jesus" Gott Jesus.

Bild 65

Bild 66


Von aussen wirkt die Kirche duester. Aber in ihrem Inneren ist es hell und freundlich (Bild 67). Die Erbauer dieser Kanzel (Bild 68) haben sicherlich einige Stunden Arbeit in deren Erstellung investiert.

Bild 67

Bild 68


Der Blick in den vorderen Teil der Kirche (Bild 69) verspricht einiges.

Der vergoldete Hauptaltar ist mit zahlreichen imposanten Schnitzereien (Arabesken, Friesen, Saeulen, etc.) versehen (Bild 70).

Oberhalb des Haupaltars und des Tabernakels steht eine riesige Statue des Heiligen Ignatius von Loyola in einem Priestergewand (Bild 71). Die Statue ist fast drei Meter hoch. Sein Blick ist nach oben auf das Medaillon mit den griechischen Buchstaben "IHS" gerichtet. Diese Haltung ist symbolisch. Der Heilige Ignatius von Loyola ist der Gruender der Jesuiten. Oberhalb des Medaillons sieht man die Heilige Dreifaltigkeit: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Bild 69

Bild 70

Bild 71

St. Francis Xavier

Der eigentliche Grund, warum Glaeubige und Touristen in Scharen zur Basilika Bom Jesus stroemen, sind die sterblichen Ueberreste des St. Francis Xavier (Bild 72), die in diesem Gotteshaus ihre letzte Ruhestaette gefunden haben. Seit 1953 liegt der Heilige in diesem glaesernen Sarg (Bild 73). Der Kopf ist deutlich zu erkennen.

Bild 72

Bild 73


St. Francis Xavier, wurde am 7. April 1506 als Don Francisco Javier de Jassu y Azpilcueta auf Schloss Xavier, dem heutigen Javier, bei Pamplona in Spanien geboren. Er war einer der Pioniere christlicher Mission in Asien. Ab 1525 studierte er in Paris. Hier lernte der Ignatius von Loyola kennen. Er half Ignatius bei der Estellung der Ordensregeln und gehoerte 1534 zu den Gruendungsvaetern des Jesuitenordens. 1537 empfing er zusammen mit Ignatius in Vendig die Priesterweihe. 1539 bat Koenig Johann III. von Portugal Papst Paul III. um Missionare fuer das 1498 von Vasco da Gama entdeckte portugiesische Indien. St. Francis Xavier wurde ausgewaehlt, vom heiligen Vater zum apostolischen Nuntius ernannt und mit ausgedehnten Vollmachten versehen. 1541 begab er sich auf die ueber ein Jahr dauernde Reise nach Goa - er traf dort am 6. Mai 1542 ein - wo er seine Missionstaetigkeit begann. Er revitalisierte das Christentum der portugiesischen Kolonialbeamten durch Unterricht, Predigt, Beichte und missionierte unter den armen einheimischen Perlfischern. 1544 taufte er in einem Monat zehntausend Makau-Fischer. Ab 1545 war Franz Xavier als Missionar zuerst in Melaka, spaeter auf den Inseln des Malaiischen Archipels taetig, gruendete Missionsstationen, bildete Einheimische als Missionare aus und fuehrte eine straffe Ordnung und regelmaessige Berichte ein. 1547 traf Franz Xaver in Melaka den Japaner Yajiro, der zu seinem Juenger wurde. 1549 fuhr er mit Yajiro nach Japan um dort zu missionieren. 1552 unternahm er eine Missionsreise nach China. Dort starb er am 3. Dezember 1552 nach kurzer schwerer Krankheit noch auf der Insel Shangchuan Dao bei Kanton, weil ihm die Einreise ins Reich der Mitte verwehrt wurde (Auslaendern war damals der Zutritt ins Reich der Mitte versagt). Wohl kein anderer hat die Arbeit der katholischen Missionen so auf Dauer gepraegt wie St. Francis Xavier. Sein Geburtsort Javier ist einer der meistbesuchtesten Wallfahrtsstätten in Spanien.

Nach seinem Tod wurde Francis Xavier in der St. Pauls-Kirche in Melaka (Malaysia) beigesetzt ( siehe 17.12.2009 ). Jedoch nicht fuer lange. Nach nur 9 Monaten wurde sein Leichnam exhuminiert und an seine jetztige Ruhestaette in die Basilika Bom Jesus ueberfuehrt. Damals stroemten Tausende von Glaeubigen zusammen, um von ihm Abschied zu nehmen.

St. Francis Xavier wurde 1619 selig und 1622 heilig gesprochen.

1748 wurde er zum Schutzpatron Indiens ernannt, 1904 zum Patron der Verbreitung des Glaubens, 1926 zum Patron aller katholischen Missionen und 1927 zum Patron der Heidenmission erhoben. Zudem ist er der Schutzpatron von Melaka

Ein Arm von ihm wurde 1615 als Relique in die Kirche Al Gesu nach Rom gebracht.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Gebeine des Heiligen Francis Xaviers alle zehn Jahre den Glaeubigen gezeigt. Das naechste Mal geschieht dies im Jahre 2014.


Jedes Jahr am 3. Dezember, also an seinem Todestag, findet in Alt-Goa das "Feast of St. Francis Xavier" statt. Die Vorbereitungen dazu sind bereits jetzt in vollem Gange. Natuerlich werden waehrend des Festivals auch Messen abgehalten. Wie man an den Stuehlen gut erkennen kann (Bild 74), werden dazu Hunderte von Glaeubigen erwartet.

Bild 74


Oeffnungszeiten der Basilika Bom Jesus fuer Touristen:
Montag - Freitag: 09:00 Uhr bis 18:30 Uhr
Sonntags: 10:30 Uhr bis 18:30 Uhr

Kapelle Our Lady of the Mount

Unser naechstes und fuer heute zugleich letztes Ziel, befindet sich ungefaehr 1,5km oestlich von Old Goa auf einem Huegel (Bild 75). Die Kapelle Our Lady of the Mount (Bild 76) wurde im Jahre 1510 im Auftrag von Afonso de Albuquerque nach seinem Sieg ueber den muslimischen Sultan Adil Shah gebaut. Sie wurde letztmals im Jahr 2001 renoviert.

Bild 75

Bild 76


Die Kapelle beherbergt drei Altaere. Der Hauptaltar (Bild 77) ist unserer Lieben Frau vom Berg geweiht. Die anderen beiden dem Heiligen Antonius und dem Heiligen Andreas.

Bild 77


Wow, wie sieht es denn hier aus? Das Innere der Kapelle war mit Blumen geschmueckt (Bild 78). Ein roter Teppich war ausgelegt (Bild 78). Die Stuehle waren mit weissem Stoff ueberzogen (Bild 79). Alles wirkte sehr edel und pompoes. Wir sind mitten in die Vorbereitungen fuer eine Hochzeit geplatzt! Genauer gesagt, es war schon beinahe alles bereit fuer die Zeremonie. Das Brautpaar und die Gaeste waren aber noch nicht in Sicht. Die Musiker stimmten jedoch bereits ihre Instrumente. Also konnte es nicht mehr lange dauern, bis die Trauung beginnen wuerde. Niemand schien es zu stoeren, dass wir da waren. Also fotografierten wir weiter.

Bild 78

Bild 79


Auf einem gruenen Tischchen hatte der Pfarrer seine "Utensilien" bereits zurechtgelegt (Bild 80).

Bild 80


Nach einer Weile ueberliessen wir die Kapelle wieder den Indern und begaben uns auf den Vorplatz des Gotteshauses.

Die Aussicht von hier oben ist phaenomenal (Bild 81). Nur schon dafuer lohnt es sich, auf diesen Huegel raufzufahren.

Bild 81


Als wir nach Old Goa zurueck fuhren, ist uns das Brautpaar in einem mit Blumen geschmueckten, weissen Wagen entgegengekommen. Die beiden haben sich wirklich eine schoene Kirche zum Heiraten ausgesucht.

In Alt-Goa gibt es logischerweise nicht "nur" Kirchen und Kapellen. Es gibt dort auch Restaurants. Verhungern muss man nicht. Auch diverse Getraenke-Staende sind anzutreffen.

Old Goa ist in unseren Augen definitiv einen Besuch wert. All diese wunderschoenen, alten Gebaeude auf kleinstem Raum. Wirklich empfehlenswert.

 

 

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