Reisebericht Thailand

01.04.2011

Unwetter auf Koh Samui

 

So etwas, wie das in den letzten Tagen, haben wir hier auf Koh Samui noch nie erlebt! Wer nicht selber mittendrin steckte, der kann dies vermutlich kaum nachvollziehen. Wasser, Wasser, Wasser. Wohin man auch schaute. Wasser von oben, Wasser von unten - aber kein Wasser aus der Dusche ... !

Wenn wir zurueck schauen, so war das Wetter auf Koh Samui seit unserer Ankunft am 08.03.2011 eigentlich nie so, wie es um diese Jahreszeit sein sollte. Es regnete viel und vor allem ausdauernd. Der Himmel war oft bedeckt.

Bereits am Sonntag, 27. Maerz, stuermte und schiffte es stark. Aber wir dachten uns nichts dabei. Dies wuerde schon wieder aufhoeren. Aber weit gefehlt. Es regnete und regnete und regnete ...

Als wir dann am Montag, 28. Maerz, einkaufen gingen, erlebten wir eine boese Ueberraschung: die Hautpstrasse stand unter Wasser! Uups. Wir schafften es dann aber doch irgendwie in den Family Mart zu kommen und unsere Einkaeufe zu taetigen. Dabei trockene Fuesse zu behalten, war unmoeglich. Wir mussten durch's Wasser waten. Das Wasser hatte eine unglaubliche Kraft - die starke Stroemung war furchteinfloessend (wenn man nicht aufpasste, so riss es einem die Schlarpen von den Fuessen).

Es hoerte nicht auf zu regnen. Den ganzen Tag ueber prasselte das Nass vom Himmel herab. Kurz vor 18:00 Uhr fiel dann auch noch der Strom aus. Dies hat uns jedoch nicht weiter beunruhigt. Das passiert oefters einmal. Doch als uns dann die Angestellten vom Kirati Resort mit einer Handvoll Kerzen ausstatteten, daemmerte es uns, dass der Stromausfall wohl laenger andauern wuerde (wie wahr, wie wahr).

Wenn der Strom ausfaellt, so hat man hier leider auch kein Wasser mehr (elektrische Pumpe). Waehrend dieser Zeit ist also nichts mit duschen oder Haende waschen oder Toilette spuehlen.

Die ganze Nacht ueber schuettete es ununterbrochen wie aus Kuebeln. Der Regen wurde immer staerker. Strom war am naechsten Morgen auch noch nicht wieder da. Damit wir wenigsten die Toilette spuehlen und die Haende waschen konnten, stellten wir kurzerhand zwei Eimer in den Regen hinaus und sammelten darin das Regenwasser (Bild 1).

Bild 1


Ja, ja. Dumm sind wir nicht. Man muss sich zu helfen wissen!

Fruehstueck machen konnten wir auch nicht. Toaster, wie Wasserkocher, brauchten Strom. Also sind wir bewaffnet mit Eier, Schinken und Wasserkocher in die Kueche vom Kirati Resort gestapft und haben uns dort unser Fruehstueck machen lassen (Noi, die Koechin, musste die Stellung halten, alle anderen Angestellten sind wieder nach Hause geschickt worden). Die meisten, wenn nicht gar alle Restaurants hier, kochen mit Gas. Mittlerweile war auch noch das Handy-Netz zusammengebrochen. Nichts ging mehr. Kein Strom, kein Telefon, kein Handy, kein Internet, kein Wasser ...

Auch heute (29.03.) wagten wir es, zur Hauptstrasse zu laufen. Wir gingen am Strand entlang. Doch oh weh! Hier wurde man von dem heftigen Sturm beinahe in's Meer hinein getrieben. Der kalte Wind zerrte an unseren Regenjacken. Der Regen peitschte einem ins Gesicht. Den Hut musste man in der Hand tragen - sonst haette es ihn glatt weggefegt. Ueberall stuerzten sintflutartige Baeche die Wiesenborde hinunter! Darin trieben Holzstuecke, die einem mitrissen, wenn man ihnen in die Quere kam. Es war ein richtiges Abenteuer, bis wir uns zur Strasse hochgekaempft hatten. Und dort trauten wir unseren Augen nicht: der Wasserpegel war um ein vielfaches hoeher, wie gestern. Nun war nichts mehr mit durch's Wasser waten. Jetzt musste man schon schwimmen. Das Wasser stand einem buchstaeblich bis zum Hals. Wir kehrten wieder um und kaempften uns zurueck zu unserem Bungalow.

Mittlerweile waren auch die Temperaturen frisch geworden. Kein Wunder. Der boehige Wind und dazu die ganze Zeit dieser Regen! Das gigantische Rauschen der Wellen vom Meer hoerte sich auch nicht gerade beruhigend an. Wir haben uns in unserem Bungalow richtiggehend eingemummelt. Wir haengten rund um die Terrasse Dusch- und Badetuecher auf, um uns ein wenig vor den Windboehen und dem Regen zu schuetzen (Bild 2).

Bild 2


Wir hatten gerade von der Kueche heisses Wasser bekommen (wir wollten uns eine Mama Soup zum Abendessen zubereiten - und uns auch ein wenig von innen damit aufwaermen), da kam die Besitzerin vom Kirati Resort und meinte, es waere besser, wenn wir vom Bungalow in ein Zimmer in's Haus umziehen wuerden. Dort wuerde die Toiletten-Spuehlung funktionieren etc. Sche..... Wir wurden evakuiert! Waren die etwa der Meinung, dass das Meer bis zu unserem Bungalow raufkommen wuerde? Wir fanden es nicht raus. Wir schluerften also unser Sueppchen zu Ende und packten danach unsere sieben Sachen zusammen. Nicht alles, nur was man halt so braucht in einer "Notunterkunft". Gaby musste aber alles alleine raufschleppen. Hampi darf ja nichts tragen und das gesamte Personal vom Kirati arbeitete nicht (bis auf die Koechin). Und da war dann halt kein Uhu in der Naehe, der helfen konnte ... Nur Zuschauer, die grinsten! Die Zimmer vom Kirati-Haus sind ganz neu. Und siehe da: wir konnten die Toilette nach der Benutzung spuehlen. Es kam sogar ein bisschen Wasser aus dem Wasserhahn vom Lavabo raus und selbst aus der Dusche kam ein kleiner, aber kalter, Wasserstrahl. Was wollten wir mehr. So sassen wir am Abend geschuetzt hinter der grossen Fensterfront, tranken einen Becher Whisky und starrten stumm in den Sturm hinaus. Wie lange wuerde dieses Unwetter anhalten?

Auch am Mittwoch (30.03.) war keine Wetterberuhigung in Sicht. Nach wie vor prasselte der Regen immerfort vom Himmel herab. Es war kaum zu glauben. Aber geschlafen haben wir herrlich. Um die 08:30 Uhr verliessen wir unser Zimmer und kaempften uns gegen den Wind hinunter zu unserem Bungalow. Dort nahmen wir die Utensilien, die wir fuer's Fruehstueck brauchten, aus dem Kuehlschrank und liessen dieses wieder von Noi zubereiten. Wir fragten uns, wie lange es wohl dauern wuerde, bis die Lebensmittel, welche wir im Kuehlschrank aufbewahrten, verdorben sein wuerden. Er kuehlte ja nun doch schon eine ganze Weile nicht mehr! Wir genossen das Fruehstueck auf unserer verbarrikadierten Terrasse. Immer wieder sind wir heute im stroemenden Regen spazieren gegangen. Und jedes Mal war es ein Kampf gegen den Wind und die Regenmassen. Die Strasse, welche vom Kirati zur Hauptstrasse fuehrt, stand ebenfalls unter Wasser. Man hatte die Wahl: entweder musste man das letzte Stueck schwimmen, oder wieder umkehren. Wir hatten uns fuer's Umkehren entschieden. Es hat uns nicht wirklich angemacht, in dieser Kloake zu schwimmen (man will sich gar nicht vorstellen, was da alles im Wasser drin ist). Mal sassen wir auf der Terrasse von unserem Bungalow, mal hielten wir uns in der "Notunterkunft" auf, mal gingen wir spazieren. So brachten wir auch diesen Tag rum.

Gegen Mitternacht gab's einen lauten Knall. Wir waren sofort hellwach. Ging nun die Welt unter? Kam das Meer? Kam der Fluss hinter dem Haus? Fiel gar das Haus zusammen? Oder .... Es war alles halb so schlimm. Es war nur das Elektrizitaetswerk, das versucht hatte, den Strom einzuschalten. Aber da natuerlich alle Schalter auf Koh Samui auf "ein" waren, hat es denen die Sicherung gleich wieder rausgehauen. Wir sind dann wieder eingeschlafen - dies war schliesslich nicht unser Problem.

Als wir am Donnerstag Morgen (31.03.) aufwachten, war der Strom wieder da. Juhui! So konnten wir heute von der "Notunterkunft" zurueck in unser geliebtes Bungalow ziehen. Und wieder musste Gaby alles alleine schleppen! Der Strom war zwar jetzt da, aber das Internet funktionierte noch nicht. Aber nun konnten wir wenigstens die Akku's unserer Natel aufladen. Heute war es den ganzen Tag ueber durchzogen. Mal gab es trockene Phasen, dann regnete es wieder. Jedoch nicht mehr so stark. Der Wind war auch schwaecher geworden. Der Strom fiel jedoch dauernd wieder aus. Aber wenigstens kam er jeweilen nach relativ kurzer Zeit wieder. Dies war immerhin ein Fortschritt.

Am Freitag, 1. April, funktionierte auch das Internet wieder.

Als sich das Wetter beruhigt hatte, das Wasser am Abfliessen war etc. wurden die Lebensmittel knapp. Das Unwetter hatte auf dem Festland diverse Strassen und Bruecken zerstoert. Somit konnten die Schiffe, welche nach Koh Samui ablegten, nicht mit Lebensmittel beladen werden. Es war schon ein gespenstischer Anblick, als man im Tesco Lotus, im Makro, im 7Eleven oder im Family Mart vor den Gestellen stand und diese einfach leer waren. Dort, wo sonst Berge von Schachteln mit Eiern lagen, war einfach gaehnende Leere. Ebenso leer waren die Gestelle mit Milch, Yoghurt, Butter und Toastbrot. Fleisch gab es auch nur noch weniges. Mussten wir nun verhungern ...? Hatten wir all dies ueberstanden, um jetzt zu verhungern? Natuerlich nicht!!! Nach ein paar Tagen war das Nachschub-Problem geloest und die Lebensmittel-Regale fuellten sich wieder.

Zwei gehobene Hotel's von der Choeng Mon Beach waren waehrend des Unwetters komplett evakuiert worden. Die hatten danach eine ganze Woche lang geschlossen. Da hatten die Wassermassen gewaltige Schaeden angerichtet.

Da wir nun per Internet und Fernsehen wieder mit der Aussenwelt verbunden waren, wurde uns das ganze Ausmass der Katastrophe erst so richtig bewusst. Auf Koh Samui, wie auch auf dem thailaendischen Festland, gab es massive Erdrutsche und Ueberschwemmungen. Bruecken wurden weggerissen und zerstoert. Es gab auch Tote. Ein paar Tage nach dieser Katastrophe sind wir mit dem Scooter ein wenig auf Koh Samui herumgekurvt. Auf der ganzen Insel waren die massiven Schaeden zu sehen, die das Unwetter angerichtet hatte. Manchmal erkannte man ein Gebiet fast nicht mehr. Einfach wahnsinnig, was fuer eine Kraft solche Naturgewalten haben ...

Wir waren 54 Stunden komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Kein Strom, kein Natel-Empfang, kein Telefon, kein Fernseher, kein Internet, teilweise waren wir sogar ohne fliessendes Wasser. Der Faehrverkehr von und nach Koh Samui war zeitweise eingestellt. Selbst der Flughafen war 2 Tage lang geschlossen! Es war unmoeglich, von Koh Samui wegzukommen. Wir waren auf der Insel gefangen! Aber wir haben all dies unbeschadet ueberstanden. Und dies ist ja die Hauptsache!


Ein paar Bilder von der Ueberschwemmung:

Mit Schwimmen im Meer war nichts mehr. Dieses war sehr aufgewuehlt. Spazierte man am Strand entlang, so musste man richtig gehend gegen den starken Wind ankaempfen, der Regen klatschte einem nur so ins Gesicht (Bild 3 und Bild 4).

Die Treppen zu den Resort's wurden einfach unter dem Sand begraben (Bild 5).

Bild 3

Bild 4

Bild 5


Die Angestellten vom Muang Samui, Choeng Mon Beach, brachten mit dem Kanu nicht nur Karton um Karton in Sicherheit (Bild 6), sie evakuierten damit auch die Hotelgaeste samt Gepaeck. Trotz allem konnten sie noch immer laecheln.

Dieser Wassertoeff befindet sich nicht etwa am Strand, nein er "parkiert" stinkfrech an der Hauptstrasse (Bild 7).

Der Wasserpegel in der Hauptstrasse stand so hoch, dass man entweder schwimmen oder sich mit einem Kanu herumfahren lassen musste (Bild 8).

Bild 6

Bild 7

Bild 8


Dort, wo sich bis vor kurzem noch eine Strasse mit je einem Gehweg auf der rechten und linken Seite befand, entstand innert kurzer Zeit ein reissender Fluss (Bild 9 - Bild 11). Die Stroemung durfte man nicht unterschaetzen. Diese war gewaltig!

Bild 9

Bild 10

Bild 11


Es war ganz bestimmt einmal angenehmer, mit dem Scooter diese Hauptstrasse entlang zu fahren (Bild 12). Hoffentlich stellt der Motor nicht ab ...

Einige Touristen liessen sich nicht davon abbringen, durch diese stinkende Bruehe zu stapfen, um ein paar gute Foto's zu schiessen (Bild 13). Ob der den Gestank wohl wieder losgeworden ist ...?

Wasser, Wasser, Wasser. Wohin man auch schaute, man war ueberall von Wasser umgeben (Bild 14).

Bild 12

Bild 13

Bild 14


Von den nachfolgenden Aufnahmen ist das linke Bild jeweilen waehrend der Ueberschwemmung entstanden, das rechte danach.

Der arme Charlie Chaplin war bis zu den Knien im Wasser versunken (Bild 15). Und dies, obwohl das lustige Kerlchen sogar noch etwas erhoeht steht (Bild 16).

Bild 15

Bild 16


Der Seerosen-Teich vor dem Muang Samui war nicht vom Gehweg oder der Strasse zu unterscheiden (Bild 17). Bitte auch beachten, dass die braune Tafel im Vordergrund im Wasser steht.

Dabei liegt der Wasserpegel des Teich's normalerweise einiges unter dem Uferrand (Bild 18). Auf der braunen Tafel ist gut zu erkennen, wie hoch das Wasser waehrend der Ueberschwemmung stand.

Bild 17

Bild 18


Die Elektro-Kaesten vom Muang Samui, Choeng Mon Beach, haetten wohl besser etwas hoeher installiert werden sollen (Bild 19 und Bild 20).

Bild 19

Bild 20


Diese Rueckkuehler vom Imperial Boatshouse, Choeng Mon Beach, entkamen dem Wasser nur ganz knapp (Bild 21 und Bild 22).

Bild 21

Bild 22


Die Verbindungsbruecke im Muang Samui, Choeng Mon Beach, war waehrend des Unwetters unpassierbar (Bild 23 und Bild 24).

Bild 23

Bild 24


Obwohl man noch ein paar Treppenstufen zuruecklegen muss, um zur Tuer von diesem Schneider zu gelangen, stand das Wasser bei ihm ganz schoen hoch (Bild 25 und Bild 26).

Bild 25

Bild 26


Die Sandsaecke vor dem Eingang des 7Eleven haben nicht viel genuetzt (Bild 27). Der ganze Laden wurde ueberflutet. Noch Tage,nachdem das Wasser abgeflossen war, lag stinkender Morast vor der Eingangstuere (Bild 28). Diese Filiale blieb auch laengere Zeit geschlossen.

Bild 27

Bild 28


Die Angestellten vom Imperial Boatshouse, Choeng Mon Beach, hatten viel zu tun, bis sie all den Unrat beseitigt hatten (Bild 29).

Aber nicht nur dort sah es ziemlich wuest aus. Es gab ueberall viel zu tun nach dem Unwetter (Bild 30).

Das Wasser floss nur langsam ab. Darunter kamen tonnenweise Sand zum Vorschein (Bild 31).

Bild 29

Bild 30

Bild 31


Auch nachdem es bereits mehrere Tage nicht mehr geregnet hatte, kam von den Berghaengen noch Wasser hinunter (Bild 32).

Die Aufraeum-Arbeiten sind im vollen Gange (Bild 33).

Ein Schacht der Kanalisation von der Hauptstrasse, Choeng Mon (Bild 34).

Bild 32

Bild 33

Bild 34


Verwuestung, wo immer man auch hinschaut. Sei's am Strand (Bild 35), auf dem Gehweg (Bild 36) oder auch am Ufer des Fluesschen, das durch das Muang Samui, Choeng Mon, fliesst (Bild 37). Der Gehsteig wird wohl nicht so schnell repariert werden. Dafuer fuehlt sich niemand zustaendig.

Bild 35

Bild 36

Bild 37


Der Swimmingpool vom Muang Samui, Choeng Mon,wurde kurzerhand zum Abwaschbecken umfunktioniert (Bild 38). Schliesslich musste ja das gesamte Geschirr irgendwo gereinigt werden!

Bild 38


Ob man wohl bei der Neugestaltung der Hauptstrasse von Choeng Mon je damit gerechnet hatte, dass es in naher Zukunft einmal zu solch einer Ueberschwemmung kommen wuerde? Schliesslich wurde ja auch die Kanalisation komplett neu gemacht (auf Bild 39 ein Werbeplakat aus dem Jahr 2007).

Das Wasser ist weg (Bild 40). Es ist schon fast alles wieder normal. Ausser der Gestank, der wird wohl noch ein paar Tage andauern ...

Bild 39

Bild 40


Ob sich die Natur nun raecht, dass man ein ganzes Sumpfgebiet einfach so ueberbaut hat ... ??? !!!

 

 

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