Reisebericht Indien

25.11.2010

Junagadh

Ashoka-Inschriften
Girnar

Heute Morgen versteckte sich unser heutiges Ziel, der Girnar-Berg, noch tief hinter einem Schleier von Wolken (Bild 1).

Bild 1


Eigentlich wollten wir mit dem oeffentlichen Bus Nr. 3 oder 4 an den Fuss des 8 km entfernten Girnar Mountain fahren. Deshalb fuehrte uns unser Weg zuerst an den Busbahnhof. Aber weit und breit war nichts von einem Bus zu sehen, der dorthin fuhr. So haben wir uns halt zu Fuss auf den Weg in Richtung Girnar gemacht. Immer wieder schauten wir uns um, um zu pruefen, ob doch noch ein Bus kommen wuerde (aber es kam und kam einfach keiner). Unterwegs entschieden wir uns, ein TukTuk zu nehmen. Dieses fuhr uns fuer INR 30 an unser Ziel.

Ashoka-Inschriften

Auf dem Weg dorthin kommt man an den im Jahre 1822 entdeckten Ashoka-Inschriften aus dem 3. Jahrhundert vor Christus vorbei. Der grosse Granitblock wurde zum Schutz vor Umwelteinfluessen ueberdacht.

Oeffnungszeiten 08:00 - 13:00 Uhr und 14:00 Uhr - 18:00 Uhr

Eintritt: INR 100

Girnar

Neben dem Shatrunjaya bei Palitana, dem Mount Abu in Rajasthan und dem Shamesjikara in Bihar gehoert der Girnar zu den vier heiligen Bergen der Jains. Auf ihm wird unter anderem dem Nemiantah, dem 22. Tirthankara (Furtbereiter) gehuldigt, der dort ins Nirvana eingegangen sein soll.

Wir haben heute Grosses vor: ueber 7'000 Treppenstufen fuehren auf den Girnar-Berg, der 1'117 m hoch ist, hinauf. Dies ist kein Witz! Echt wahr! Wir sind uns zwar noch nicht ganz sicher, ob wir auch wirklich raufklettern werden. Mal schauen. Zudem sind wir auch ein bisschen spaet dran - es ist bereits 10:35 Uhr.

Ein Wanderstock darf natuerlich nicht fehlen (Bild 2). Fuer diesen bezahlten wir INR 20. Wenn man ihn nach dem Ausflug wieder zurueck gibt, bekommt man die Haelfte des Betrages retour. Der Stock eignet sich natuerlich auch zum Schutz gegen die Affen, die einem auf dem ganzen Weg auflauern, da sie gefuettert werden.

Die ersten Treppenstufen (Bild 3). Och, die sind ja total harmlos.

Bild 2

Bild 3


Entlang des Weges finden sich immer wieder kleinere Erfrischungsstaende. Diese werden von den Pilgern und den Touristen als willkommene Rastplaetze wahrgenommen. Derjenge, der die Getraenke liefert, muss ganz schoen fit sein, denn er traegt die Harasse auf seinem Buckel die Treppen rauf (Bild 4)! Keuch. Keuch.

Schon bald haben wir gewaltig an Hoehe gewonnen (Bild 5). Anfangs steht etwa alle 150 Treppenstufen angeschrieben, wieviele Stufen man schon hinter sich gebracht hat. Zum Teil kann man die Zahlen jedoch nicht mehr lesen. Dies ist ganz gut so, denn es kann schon frustrierend sein, wenn man weiss, dass ueber 7'000 Treppenstufen vor einem liegen und man erst 1'500 hinter sich gebracht hat . . .

Von Zeit zu Zeit blieben wir stehen, um die massiven Felsen zu bestaunen (Bild 6) oder die praechtige Aussicht zu geniessen oder, ja, wir geben es zu, eine kleine Pause einzulegen. Wir waren froh, dass die Sonne nicht voll auf uns runter schien. Auch so war der Aufstieg anstrengend genug.

Bild 4

Bild 5

Bild 6


Immer wieder kamen wir an solchen Tempeln vorbei (Bild 7).

Bild 7


Juhui! Wir haben es geschafft. Noch diese paar wenigen Stufen (Bild 8) und dann sind wir auf dem ersten Plateau angelangt. Hier befindet sich eine richtige Tempelstadt. Bis zu diesem Punkt brauchten wir nur 2 Std. und 10 Min. Die letzte Treppenzahl, die wir angeschrieben gesehen haben, war etwas um die 4'000 herum. Im Reisefuehrer drin steht, dass man von diesem Plateau aus nur noch eine halbe Stunde vom Heiligsten Punkt entfernt ist. Uii, bald werden wir ganz oben sein!

Bild 8

Bild 9


Der wichtigste und aelteste der insgesamt 16 Marmortempel ist der nach dem 22. Furtbereiter benannte Nemiantah-Tempel. Wir sind jedoch in keinen der Tempel hineingegangen. Die meisten sahen auch verschlossen aus. Bewundert haben wir hingegen die schoenen Steinmetzarbeiten (Bild 10).

Als wir am Fusse des Girnar standen, waren wir uns ja noch nicht sicher, ob wir wirklich ganz hinauf gehen wollten. Mittlerweile hat uns dieser Berg aber so in seinen Bann gezogen, dass wir da unbedingt rauf MUESSEN. Wir koennen gar nicht mehr anders. Und eine halbe Stunde Fussmarsch moegen wir noch locker laufen!

Der Blick von weiter oben auf die Tempelstadt (Bild 11). Mittlerweile ist Nebel aufgezogen.

Bild 10

Bild 11


Also weiter aufwaerts. "Schau, da oben im Nebel. Da sieht man etwas. Das ist es sicher"! Unsere Schritte wurden leichter und schneller. Aber das "etwas" entpuppte sich nur als ein kleines Restaurant. Oh weh! Da geht es ja noch weiter. Aber wohin fuehrt dieser Weg? Er verschwindet im dichten Nebel (Bild 12). "Komm, wir geben uns hier geschlagen. Es ist inzwischen ja auch schon 13:35 Uhr, wir sind also schon drei Stunden unterwegs." "Nein. Warte! Guck doch mal. Der Nebel geht weg. Dort oben, das muss es sein (Bild 13). Und dieses kleine Stueckchen werden wir wohl auch noch schaffen!" Und weiter ging's.

Bild 12

Bild 13


Ja, ja. Ihr vermutet es schon. Dort angekommen, waren wir noch immer nicht am Ziel. Wir brauchen Euch ja nicht zu erzaehlen, dass wir unterwegs immer und immer wieder Rede und Antwort stehen mussten, woher wir kommen und wie wir heissen. So kamen wir auch mit ein paar jungen Indern in's Gespraech. Diese freuten sich riesig, als Hampi - irgenwie hatte er noch vorige Kraft - mit ihnen durch eine Hoehle kroch - auf dem Bauch natuerlich. Auf unsere Frage, wie weit es denn noch sei, meinten sie, dass es schon noch ein paar Treppenstufen mehr waeren. Alles da runter (Bild 14). Die Stufen verschwanden im Nebel. Doch wo enden sie? Wie weit noch? Wieder dachten wir an's Umkehren. Aber wie durch ein Wunder - oder anders gesagt, wenn Engel reisen - lichtete sich der Nebel erneut und was sahen wir da? Wow (Bild 15)! Wunderschoen, herrlich, traumhaft! Dies sieht mega super aus! Auch der Weg war wieder klar und deutlich zu sehen. Nun war es wirklich nur noch ein kurzes Stueckchen runter, etwa 750 Treppenstufen (Bild 16), und dann noch lumpige 900 Stufen wieder rauf. So kurz vor dem Ziel aufgeben? Nein, kommt ueberhaupt nicht in die Tuete! Also weiter!

Bild 14

Bild 15

Bild 16


Bald kamen wir am untersten Punkt an (Bild 17) und der letzte Aufstieg begann. Es war ein Chrampf. Aber wir wurden mit einer herrlichen Bergwelt und einer so gewaltigen Farbenpracht belohnt (Bild 18), dass jegliche Anstrengung sofort vergessen war. Es war einfach traumhaft, wie das Wetter mitspielte. Beim Aufstieg war es bewoelkt und jetzt, so kurz vor dem Ziel, schaute die Sonne hervor. Und so kamen uns die letzten paar Stufen (Bild 19) auch gar nicht mehr so schlimm vor.

Bild 17

Bild 18

Bild 19

 
Und dann. Wer haette das gedacht: der hoechste Punkt (Bild 20)! Wir waren beim Gipfelheiligtum angekommen (Zeit: 14:35 Uhr). Dieser Tempel ist der hinduistischen Weltenmutter Amber Mata gewidmet. Hierher pilgern viele jung verheiratete Paare, die sich von der Anbetung im Tempel eine glueckliche Ehe versprechen. Im Tempel drin ist fotografieren verboten.

Die gluecklichen und stolzen Gipfelstuermer (Bild 21).

Der Tempel selber ist fuer uns Westler nichts, was man sich anschauen muss. Aber die Aussicht, die sich einem von hier oben bietet, ist sensationell. Fuer die lohnt es sich, all die Treppenstufen zu bezwingen. Hier ist man eins mit der Natur (wenn man nicht gerade fuer ein Foto hinhalten muss oder sagen muss woher man kommt oder wie man heisst . . . ).

Das Schauspiel, das einem die Natur bietet. Einfach gewaltig. Die beiden Berge auf Bild 22 sind die gleichen, die wir auf Bild 18 aufgenommen haben. Erstaunlich, wie sie sich veraendert haben, nicht wahr?!

Bild 20

Bild 21

Bild 22

 
So, nun ist der Rueckweg angesagt. Von jetzt an geht es ja nur noch runter (Bild 23). Das heisst, nicht ganz. Zwei Mal geht's nochmals aufwaerts. Einmal ca. 750 Stufen und einmal etwa 200 Stufen. Ein kurzer Blick zurueck (Bild 24). Einfach sensationell, diese Aussicht!

Bild 23

Bild 24


Fuer den Aufstieg brauchten wir 4 Stunden. Aber ehrlich gesagt: haette Gaby nicht mit jedem Inder geflirtet, waeren wir sicherlich schneller oben gewesen. Und beim Abstieg ging es im gleichen Stil weiter (Bild 25)! Ob wir wohl noch im Tal ankommen werden, bevor es dunkel wird?

Nun, da sich der Nebel verzogen hatte, fanden wir den Rueckweg auch leichter. Dort hinten, da muessen wir hin (Bild 26). Das ist derjenige Ort, wo Hampi auf dem Bauch durch die Hoehle kroch. Ob er wohl noch immer soviel vorige Energie hat, dass er dies nochmals macht . . . ? ? ?

Bild 25

Bild 26


Stufe um Stufe naeherten wir uns unserem Ziel (Bild 27), das uns noch meilenweit entfernt erschien.

Mit der Zeit verursachte das Hinuntersteigen Schmerzen in den Beinen. Die Knie begannen zu schlottern. Aber die traumhafte Aussicht entschaedigte uns fuer alles (Bild 28 - 31).

Bild 27

Bild 28

Bild 29


Bild 30

Bild 31


Die letzten 1'000 Stufen wurden dann doch langsam zur Tortur! Das Ende der Treppe kam und kam nicht. Mittlerweile hatten wir auch keinen Bock mehr, all den Indern, die noch immer recht zahlreich aufwaerts stiegen, mitzuteilen, wie wir heissen und woher wir kommen. Auch Fotoshooting's hatten wir heute schon mehr als genug gemacht. Inzwischen hat bestimmt jedes dritte Natel im Staate Gujarat ein Foto von uns drauf . . . Wir wollten nur noch so schnell wie moeglich unten ankommen. Und dann . . . nach 3 Stunden hatten wir es geschafft. Um 17:35 Uhr sind wir am Fusse des Girnar's angekommen. Muede und abgekaempft, aber uebergluecklich.

Heute haben wir eine Grossleistung vollbracht! Haben wir das wirklich? Auf dem Weg zum Gipfel sahen wir immer wieder eine Familie mit einer Tochter, die etwa 4 oder 5 Jahre alt war. Dieses kleine Maedchen ist die gesamte Strecke selber gelaufen! Auch sind uns viele aeltere Frauen (60ig und mehr) begegnet, die bereits auf dem Abstieg waren. Die waren sicherlich auch ganz oben gewesen. Ob wir nun wirklich stolz auf unsere Leistung sein duerfen? Doch, wir sind es. Immerhin haben wir heute ueber 14'000 Treppenstufen zurueckgelegt! Und da darf man stolz sein. Punkt!

Wir sagen Euch: das Gefuehl, ganz oben auf dem Girnar gewesen zu sein (Bild 32), auf Du und Du mit der Natur, das ist so gewaltig, dafuer findet man gar keine passenden Worte. Dies muss man einfach erlebt haben. Und dieses Gefuehl kann uns niemand mehr nehmen. Dies gehoert uns ganz alleine!

Bild 32


Eine Wanderung auf den Berg beginnt man am besten frueh morgens. Nicht alle haben das Glueck wie wir, bei truebem Wetter zu starten und bei strahlendem Sonnenschein oben anzukommen. Waere es von Anfang an schon sonnig gewesen, so haetten wir es vermutlich nicht geschafft, bis ganz nach oben zu gelangen. Es waere viel zu heiss gewesen!

Fuer diejenigen, die nicht mehr gut zu Fuss sind, oder die ausgeruht auf dem Gipfel ankommen moechten, gibt es die Moeglichkeit, sich auf den Berg tragen zu lassen (Bild 33).

Bild 33

 

 

Impressum
Rechtliches

Copyright Reiner