Reisebericht Vietnam

23.01.2009

Hoi An

Cham-Tempelstadt My Son

Kurz vor 08:00 Uhr standen wir in der Rezeption unseres Hotel's. Wir hatten die "My Son"-Tour gebucht (USD 5 p.P.). Ausser uns warteten noch 6 andere Personen auf den Bus. Der Bus kam auch mehr oder weniger puenktlich. Aber oh Schreck - es war ein Bus von An Phu Travel. Ob wir mit diesem wohl innert nuetzlicher First an unserem Ziel ankommen wuerden und - noch fast wichtiger - danach auch wieder zurueck nach Hoi An (siehe 15.01.2009)? Uns blieb keine andere Wahl, als einzusteigen. Der Bus klapperte noch ein paar Hotel's ab, um weitere Teilnehmer des Ausfluges aufzunehmen. Um 08:30 Uhr ging die Fahrt nach My Son los.

Cham-Tempelstadt My Son

My Son (sprich: mii sson) liegt 40km suedwestlich von Hoi An. My Son bedeuted "Schoener Berg". Im Jahre 1885 stiessen franzoesische Soldaten bei einem Patrouillengang im Tal von My Son durch Zufall auf Tempelruinen. Sie hatten keine Ahnung, dass sie auf das wichtigste kulturelle und religioese Zentrum der Cham gestossen waren. Ab dem fruehen 5. Jahrhundert errichteten die Herrscher von Champa an dieser Stelle Heiligtuemer. Hier gedachten sie ihren Vorfahren. Vor allem hielten sie hier aber Opferrituale fuer den hinduistischen Gott Shiva ab. Anfangs waren die Tempel aus Holz. Erst ab dem 7. Jahrhundert begann man mit den Steinkonstruktionen. Die meisten Heiligtuemer wurden in der gleichen Epoche errichtet wie Wat Angkor in Kambodscha. Die Bautaetigkeiten in My Son erreichten im 10. Jahrhundert ihren Hoehepunkt. Fortwaehrende kriegerische Auseinandersetzungen mit den Khmer und den Vietnamesen fuehrten ab dem 11. Jahrhundert zu Pluenderungen und Zerstoerungen. Im 12./13. Jahrhundert wurden die letzten Kultstaetten errichtet. Die Vietnamesen draengten immer weiter vor. Im Laufe des 14. Jahrhunderts mussten die Cham My Son aufgeben.
Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Franzosen die Ruinen der in Vergessenheit geratenen Tempelstadt vom Dschungel zu befreien. Eine erste Untersuchung nahm der franzoesische Archaeologe Henri Parmentier vor.

Nach 1 Std. 10 Min. kam der Bus (ohne Zwischenfaelle) bei Parking Lot 1 in My Son an. Wir stiegen aus und begaben uns in den Pavillon. Anhand einer Karte, die dort aufgestellt ist, gab uns der Reiseleiter ein paar Informationen. So erfuhren wir, dass Henri Parmentier bei seinen Untersuchungen 70 verschiedene Tempelbauten aus einem Zeitraum von 500 Jahren klassifiziert hatte. Er benannte die einzelnen Bauten alphabetisch. Innerhalb dieser Gruppen wurden die einzelnen Bauten numerisch unterschieden. Von 1937 bis 1944 wurden die wichtigsten Bauwerke von My Son restauriert. Doch mehr als zwei Drittel aller Tempelbauten der heiligen Staette fielen waehrend des Vietnam-Krieges US-Bombardements zum Opfer. Kampfeinheiten der Vietcong hatten sich 1968/1969 in die unzulaenglichen Taeler von My Son zurueckgezogen. Daraufhin belegten die Amerikaner das Gebiet mit einem Bombenteppich. Als 1980 vietnamesische und polnische Restauratoren in My Son ihre Arbeit aufnahmen, waren nur noch 20 Tempelruinen in einem einigermassen guten Zustand. 1999 wurde die Cham-Tempelstadt My Son von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Nach dieser kurzen Einfuehrung ging's weiter zur Kasse, um ein Eintritts-Ticket zu kaufen (VND 60'000 p.P.). Es blieb noch knapp Zeit fuer ein Gang zur Toilette. Als die Tiger-Gruppe (so nannte uns der Reiseleiter) wieder komplett war, gab's ein kurzer Fussmarsch zum etwa 500m entfernten Parking Lot 2. Dort befindet sich ebenfalls eine Kasse, um Ticket's zu kaufen. Ebenso Toiletten. Wir passierten die Ticket-Kontrolle und ueberquerten eine 70m lange Bruecke. Nach der Bruecke warteten Minibusse und Militaer-Jeep's. Diese brachten uns in ein etwa 2km entferntes Besucherzentrum. Danach mussten wir zu Fuss weiter (gutes Schuhwerk ist zu empfehlen - zum Beispiel Zoggeli!).

Die Cham-Tempelstadt My Son ist von gruenen Huegeln umgeben (Bild 1).

Bild 1


Nach einem etwa 10minuetigen, gemuetlichen Spaziergang trafen wir auf die erste Tempelgruppe. Es sind Tempel der Gruppen B, C, D. Diese sind die noch am besten erhaltenen Heiligtuemer (Bild 2 - 4). Im Inneren des Haupt-Tempel's der Gruppe C ist 1,5m unterhalb des Altars ein Koenig beerdigt. Der Tempel stammt aus dem 8. Jahrhundert und ist Shiva gewidmet.

Bild 2

Bild 3

Bild 4


Suedoestlichlich der Tempel-Gruppen B, C, D findet man die Ueberreste der Tempel-Gruppe A. Eigentlich sind es ja nur noch ein paar Steinhaufen, die da herumliegen (Bild 5).

Bild 5


Die Tempel wurden seinerzeit mit liebevollen Details versehen (Bild 6).

Bild 6


Weitere Ruinen der Tempel-Gruppen B, C, D (Bild 7 - 9).

Bild 7

Bild 8

Bild 9


Viele Fundgegenstaende wurden in's Cham-Museum in Da Nang gebracht. Ein paar wenige befinden sich noch in My Son (Bild 10). Die Steinmetzarbeiten sind bewundernswert.

Bild 10


Der Reiseleiter "fuetterte" uns noch mit einigen Informationen, danach liess er uns "frei herumlaufen". Obwohl es viele Touristen hatte, genossen wir es, uns mitten unter diesen mystischen alten Steinen aufzuhalten. Es ist jedes Mal auf's Neue ein kribbliges Gefuehl. Bewundernswert ist auch, dass die Cham selbst die hoechsten Tuerme ohne Moertel aufschichten konnten. Sie hatten eine beeindruckende Bautechnik.

Die Cham-Tempelstadt My Son ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Sie ist idyllisch eingebetet in die Natur. In dem Gebiet herrscht eine entspannte und friedliche Stimmung.

Um 12:00 Uhr mussten wir alle wieder beim Parking Lot 1 bei unserem Bus sein. Um 12:15 Uhr fuhr dieser ab. Um 13:15 Uhr trafen wir in Hoi An ein. Es war ein interessanter Vormittag.

 

 

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