Reisebericht Kambodscha

01.02.2007

Siem Reap

Prasat Kravan
Banteay Kdei
Pre Rup
Tempel Mebon
Ta Som
Neak Pean
Preah Khan

In Gedanken noch immer bei den gewaltigen Bauwerken, welche wir gestern gesehen hatten, machten wir uns heute morgen auf in Richtung Angkor.

Prasat Kravan

Der Prasat Kravan ist ein hinduistisches Heiligtum und besteht aus fuenf Ziegeltuermen, die auf einer flachen Terrasse stehen (Bild 1). Prasat Kravan war vermutlich der erste Tempel, mit dessen Bau in Angkor, nach Verlasen der Hauptstadt in Roluos, begonnen wurde. Die Tuerme wurden jedoch erst im Jahre 921 unter Harshavarman I. fertiggestellt. Der Turm im Zentrum birgt eine Linga (Symbol Shivas), von der jedoch nur noch das Becken erhalten ist. Auf einem Halbrelief links der Linga ist der Gott Vishnu mit vier Armen zu sehen (Bild 2). In seinen Haenden haelt er einen Diskus, eine Muschel, ein Schwert und die Weltkugel.
Der noerdlichste Turm (ganz rechts auf Bild 1) ist Laxmi, der Gemahlin Vishnus, gewidmet.

Bild 1

Bild 2

Banteay Kdei

Banteay Kdei ist ein buddhistischer Flachtempel aus Sandstein. Er setzt sich aus chaotisch verschachtelten Galerien, Gaengen, Toren und Raeumen zusammen. Der Tempel wurde Ende des 13. Jahrhunderts fertiggestellt. Ein Grossteil davon ist bereits stark beschaedigt und muss gestuetzt werden (Bild 3). Banteay Kdei soll ein Beichtstuhl fuer den Koenig gewesen sein, in dem eine grosse Anzahl Moenche lebte, die fuer das Seelenheil Jayavarmans VII. zustaendig waren.

Pre Rup

Pre Rup ist ein aus Laterit und Sandstein erbauter Hindutempel, der Shiva geweiht wurde. Mit den Bauarbeiten wurde im Jahre 961 begonnen. Die woertliche Uebersetzung von Pre Rup ist "wende den toten Koerper". Man vermutet, dass der Tempel der koeniglichen Familie als Krematorium diente. Auf dem dreistoeckigen Bauwerk stehen fuenf Tuerme, deren Dach aus Ziegeln konstruiert ist (Bild 4). Links vom Eingang stehen drei, rechts davon zwei grosse, unvollendete Ziegeltuerme, die einmal Lingas beinhalteten. In dem ersten Ziegelturm links vom Eingang wurden die Leichen verbrannt und die Asche in den kleinen Ziegeltuermen aufbewahrt, die auf der ersten Terrasse des Tempelberges stehen. Von der obersten Plattform aus kann man bei klarer Sicht sogar die Tuerme von Angkor Wat sehen.

Bild 3

Bild 4

Tempel Mebon

Im Jahre 952 errichtete Rajendravarman II. den aus drei Ebenen bestehenden Tempel Mebon, den er Shiva weihte. Er erbaute ihn zu Ehren seinen Eltern. Auf der ersten Ebene aus Laterit stehen 9 kleine Ziegeltuerme, in denen einst Lingas und Statuen von Helden aufbewahrt wurden. Die obere Terrasse besteht aus Sandstein. Dort stehen 5 Ziegeltuerme in Quincunxstellung. Auch hier sind uns die wunderschoenen Steinmetz-Arbeiten aufgefallen (Bild 5).

Ta Som

Ta Som, ein aus Laterit und Sandstein errichteter buddhistischer Tempel, wurde Ende des 12. Jahrhunderts durch Jayavarman VII. erbaut. Dies zu Ehren von seinem Lehrer und Mentor Som. Ta Som bedeutet "der alte Som". Man erkannte schon beim Eingang, dass es sich um ein Bauwerk von Jayavarman VII. handeln musste, blickte doch ein Lokesvara vom Tor auf einem hinunter. Wenn man den ganzen Tempel durchschritten hatte, wurde man mit einem schoenen Fotosujet belohnt: ein Eingangsportal, ueberwachsen von einer Wuergefeige (Bild 6).

Neak Pean

Die hinduistische Vorstellung vom Urmeer, das die Welt umgibt, stand Pate fuer das Heiligtum Neak Pean. Inmitten eines grossen, kuenstlich angelegten Sees, der heute ausgelaufen ist, und das Weltenmeer symbolisierte, stand eine Insel. In Ihrem Zentrum war ein Teich (60 x 60 Meter) angelegt. Er ist eine Nachbildung des Anavatapta-Sees im Himalaya, der laut der hinduistischen Legende am Gipfel des Universums liegt. Aus ihm sollen die vier groessten Fluesse der Erde entspringen, die in Neak Pean von vier kleineren Teichen symbolisiert werden. In der Mitte dieses Wassertempels befindet sich auf einer aus fuenf Stufen bestehenden Insel ein Heiligtum, das eine Lotusknospe darstellt, in der sich ein meditierender Buddha befinden soll (Bild 7). Den Rand dieser Insel bilden die Koerper zweier siebenkoepfiger Nagas, von denen der heutige Name dieses Tempels "sich windende Schlange", abgeleitet wurde. Bei dem aus Sandstein erbauten Pferd, das im Wasser steht, soll es sich um eine Inkarnation von Lokesvara handeln, der verlorenen Seelen Schutz an seinen Flanken gewaehrt (Bild 7).

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Preah Khan

Preah Khan (Bild 8 bis Bild 10) bedeckt eine Flaeche von ca. 50 Hektar und wurde von Jayavarman VII. Ende des 12. Jahrhunderts als Tempel und Klosterschule erbaut. Das zentrale Heiligtum dieses aus Sandstein errichteten Flachtempels wurde 1191 fertiggestellt und waehrend der folgenden drei Jahrhunderten mehrmals umgebaut. Das zentrale Heiligtum ist eingerahmt von vier konzentrischen, rechteckigen Mauern. Die aeusserste Wand, die von einem Wassergraben umgeben war, umschliesst heute das Dickicht. Innerhalb dieser Mauern lebten frueher die Moenche, Studenten und Bediensteten von Preah Khan in Holzhuetten. Die zweite Mauer schliesst das religioese Zentrum ein, in dem sich eine Ansammlung von kleineren Heiligtuemern und Tempeln befindet, die im Norden Vishnu, im Westen Shiva und im Zentrum, wie im suedlichen Teil, Buddha geweiht waren. Dort wo sich die Achsen kreuzen, steht heute ein Stupa aus dem 16. Jahrhundert, der anstelle eines Lokesvara errichtet wurde, die das Gesicht von Jayavarmans Vater hatte.
Preah Khan ist ein faszinierender Tempel. Auch hier war man sich jede Sekunde bewusst, wie vergaenglich die Werke von Menschen sind und wie maechtig die Natur ist . . .

Bild 8

Bild 9

Bild 10


Unserer Meinung nach ist es nicht fair, dass immer "nur" von Angkor Wat und Angkor Thom gesprochen wird. Saemtliche Tempel, welche wir auf dem Angkor-Gebiet naeher angeschaut hatten, hatten uns tief beeindruckt und fasziniert.

Wir sahen in diesen zwei Tagen viele Tempel - und trotzdem wurden einem diese Steine nicht langweilig.

Angkor ist wahrhaftig eine Reise wert !

 

 

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